Th. Hess und C. Starke
Thomas Hess
Dr. med., Facharzt Kinder- und Jugendpsychiatrie- und Psychotherapie. 1980 bis 1990 Chefarzt des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes GR. 1990 bis 1999 Leiter des Institutes für Ehe und Familie (IEF) Zürich, Trainer und Lehrsupervisor, Therapeut und Mediator, Supervisionen, Teamentwicklung. Langjährige Arbeit mit Multi-Problem- und Folgefamilien in systemischer Praxisgemeinschaft, Autor des Lehrbuches für systemische Arbeit mit Paaren (Auer).
Weitere Infos unter www.thomas-hess.ch
Claudia Starke
Dr. med., Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie-
Lehrtrainerin bis 2008 im Institut für Systemische Therapie u Organisationsberatung (München)
Freiberufliche Lehrtherapeutin, Trainerin u und Supervisorin
Systemtherapie und Hypnotherapie für Einzelne, Paare u Familien in systemischer Praxisgemeinschaft, Arbeit mit Multi-Problem- und Folgefamilien.
Weitere Infos unter www.claudia-starke.ch
Workshop I:
Patchworks und die Kraft archetypischer Familienbilder
Systemische Arbeit mit Fortsetzungsfamilien (Patchworks) unterscheidet sich von der (seltener werdenden) Arbeit mit Kernfamilien. Die Themen und Konflikte sind zwar dieselben, bei Patchworks ist zusätzlich eine Unsicherheit über die eigene Rolle spürbar. „Darf ich das von einem Stiefkind verlangen?“ „Kann ich meinen Stiefvater lieben ohne die Beziehung zu meinem Vater zu belasten?“ Der tiefere Grund für solche Unsicherheiten ist einerseits eine noch immer kritische Haltung der Gesellschaft gegenüber Trennung und Scheidung. Andererseits führen archetypisch verankerte Bilder über Elternschaft zu einer Schwächung der erzieherischen Fähigkeiten: Mutter- und Vaterrollen sind positiv gefärbt, während Stiefelternschaft negativ konnotiert wird, was in Märchen und Mythen bestens belegt ist. Wir gehen davon aus, dass diese archetypischen Bilder besonders wirksam sind, weil sie unbewusst sind. In der Therapie mit Patchworks geht es deshalb auch darum, diese zu positiven Kräften werden zu lassen. Im Workshop werden die Möglichkeiten dazu diskutiert.
Workshop II:
PatchworkerInnen und Beziehungs-Erfahrung
Patchworkfamilien bestehen aus Trennungsspezialistinnen und -spezialisten. Jedes Mitglied hat bereits mindestens eine Erfahrung mit dem Verlust eines Partners oder Elternteils gemacht. Oft finden sich in den Anamnesen der Eltern bzw. Stiefeltern wiederholte Trennungserfahrungen die nach dem selben Muster verlaufen waren. Solche Erfahrungen gehen oft bis in die frühe Kindheit zurück. Bindungsmuster, welche im ersten Lebensjahr erworben wurden färben ab auf Beziehungen: Partner, welche als Säugling und Kleinkind eine ängstlich-ambivalente Bindung erworben haben, klammern sich an ihre Partner. Die mit einer ängstlich-vermeidenden Bindung wenden sich ab oder gehen in emotional schwierigen Situationen auf Distanz. Beides hat oft eine Trennung zur Folge, v.a. wenn die Partner unterschiedliche Bindungsmuster haben.
Oft beeinflussen Erfahrungen aus früheren Partnerschaften die nachfolgende Beziehung und Patchwork-Situation ebenfalls. Hat z.B. ein Partner die Erfahrung gemacht, dass die Balance zwischen Pflichten und Rechten einseitig war, so wird er später bei diesen Themen besonders sensibel reagieren. Oder wenn es in der vorherigen Partnerschaft traumatisierende Erfahrungen gab (z.B. Gewalt), so wird der- oder diejenige in ähnlichen Situationen zu alten Lösungsversuchen greifen, die für die aktuellen Situation nicht passend sind.
In der therapeutischen Arbeit mit Patchworkfamilien ist es deshalb wichtig, diese Erfahrungen aus Kindheit und früheren Beziehungen deutlich zu machen um sie als nicht mehr kontextadäquate Kulisse in den Hintergrund zu schieben und neue, konstruktive Lösungswege zu entwickeln.
Anschrift:
Thomas Hess
Dr. med., Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie- und psychotherapie
Praxisgemeinschaft Rothuswies
Asylstr. 46
CH-8708 Männedorf
Plan
Tel.: 044/ 920 65 85 oder 079 / 219 93 35
E-Mail: thomas_hess@bluewin.ch