Nossrat Peseschkian / Stv. d. Dr. Anas Aziz
* 18. Juni 1933 bis † 27. April 2010.
In Trauer nehmen wir Abschied von unserem lieben Freund Nossrat Peseschkian. Die Teilnahme an 'Grenzen-Systeme-Kulturen 2010' musste er aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig absagen. Kurze Zeit danach hat er uns verlassen. Wir behalten ihn, wie seine Geschichten, in lebendiger Erinnerung.
Im Iran geboren und aufgewachsen, kam Peseschkian 1954 zum Studium nach Deutschland und studierte Medizin in Freiburg, Frankfurt/M. und Mainz. Nach seiner Facharztweiterbildung (Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie) und der Promotion eröffnete er 1969 zunächst eine psychosomatische Tagesklinik in Wiesbaden. Gleichzeitig entwickelte er eine ausgedehnte wissenschaftliche und Seminartätigkeit auf dem Gebiet der Tiefenpsychologie, die schließlich zur Entwicklung der „Positiven Psychotherapie“ führte. Sie gehört zu den humanistisch-psychodynamischen Verfahren.
1977 gründete er die Deutsche Gesellschaft für Positive Psychotherapie e.V. und die Wiesbadener Akademie für Psychotherapie (WIAP, seit 2000 staatlich anerkannt als Aus- und Weiterbildungsinstitut für Psychotherapie und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie). Letztere ist heute eines der führenden tiefenpsychologischen Institute Deutschlands. 1996 wurde das 'International Center for Positive Psychotherapy - ICCP' gegründet, das 2008 umbenannt wurde in 'World Association for Positive Psychotherapy' - Weltverband der Positiven Psychotherapie e.V..
Seither hielt Peseschkian Seminare in über 60 Staaten und veröffentlichte über 20 Bücher. Einer seiner Arbeitsschwerpunkte war die Verwendung von Geschichten und Märchen in der Psychotherapie. Peseschkian war Dozent an der Akademie für ärztliche Fort- und Weiterbildung der Landesärztekammer Hessen und Honorarprofessor des Nationalen Psychoneurologischen Forschungsinstituts Bechterew in Sankt Petersburg. Schwerpunkte seiner Arbeit sind die Transkulturelle Psychotherapie und die Familientherapie. Aufbau eines globalen Netzwerkes von über 100 Zentren und Representation Offices für Positive Psychotherapie in 33 Ländern.
Peseschkian war Begründer und Leiter der Internationalen Akademie für Positive und Transkulturelle Psychotherapie - Prof. Peseschkian-Stiftung (2005).
Ehrungen
Im Dezember 2005 wurde ihm für sein Engagement im Gesundheitswesen das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.
2006 ehrte ihn die Vereinigung der Iranischen Ärzte und Zahnärzte in der Bundesrepublik Deutschland e.V. (VIA) mit ihrem Avicenna-Preis.
Werke (Auswahl)
N. Peseschkian: Positive Psychotherapie. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 1985
N. Peseschkian: Positive Familientherapie. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 1980
N. Peseschkian: Morgenland-Abendland: Positive Psychotherapie im Dialog der Kulturen. Fischer Verlag Frankfurt am Main, 2003
N. Peseschkian: Der Kaufmann und der Papagei. Orientalische Geschichten in der Psychotherapie. S. Fischer, 2005
N. Peseschkian: Psychosomatik und Positive Psychotherapie. Fischer Verlag Frankfurt am Main, 2005
N. Peseschkian: Wenn du willst, was du noch nie gehabt hast, dann tu, was du noch nie getan hast. Herder Verlag Freiburg, 2005
(Auszug aus Wikipedia)
Referat
Positive Psychotherapie: Fünf Stufen des Erstinterviews und der Therapie im Zeitalter der Globalisierung
Sammle die hellen Stunden des Lebens ein und bewahre sie für die dunkle Zeit.
Ziel der Positiven Psychotherapie ist es, ein Modell zu erarbeiten, das als orientierende und strukturierende Hilfe dabei dienen soll, eine Gesamtdiagnose für einen Patienten zu finden, d.h. eine Diagnose, die sowohl das Symptom und seine Ursachen erfasst als auch die mittelbaren Ursachen, die sich aus Lebenssituation, Umwelt, Familie, Subkultur und Kultur ergeben. Darüber hinaus muss dieses Modell die gesunden Anteile aufzeigen können, aus denen die Ressourcen für eine Heilung bzw. die Fähigkeiten und Energien für das Umgehen mit der Krankheit und der veränderten Lebenssituation hervorgehen.
Kernstück der therapeutischen Intervention der Positiven Psychotherapie ist eine fünfstufige Behandlungsstrategie. Ort ihres therapeutischen Einstiegs sind die Aktualfähigkeiten und die Grundfähigkeiten. Dabei gehen wir sowohl von den bestehenden Störungen als auch von den gleichzeitig bestehenden Fähigkeiten eines Menschen aus.
Es handelt sich um eine ressourcenorientierte und konfliktzentrierte Behandlungsmethode unter dem transkulturellen Gesichtspunkt. Die Methode ist sowohl für eine Kurzzeitpsychotherapie und psychosomatische Grundversorgung, als auch für eine Langzeittherapie von Störungen wie Depressionen, Phobien, Ängste und psychosomatische Störungen geeignet (vgl. Qualitätssicherung in der Positiven Psychotherapie).
Workshop I
Positive und transkulturelle Kompetenz
Wer alleine arbeitet, addiert, wer zusammen arbeitet, multipliziert.
Unsere Welt hat sich verändert. Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit ist eine globale, vernetzte Gesellschaft im Entstehen, deren Hauptmerkmal ihre kulturelle Vielfalt ist. Der Prozess der Globalisierung – nicht nur auf der politischen, sondern vor allem auf der mentalen Ebene – geht nicht ohne Herausforderungen vor sich. Wir haben die Aufgabe, unseren Fachrichtungen eine neue Richtung zu geben, so dass sie den Anforderungen der heutigen Zeit angemessen begegnen können. Dies erfordert allerdings ein Umdenken – von einer monokulturellen und monoätiologischen Betrachtungsweise hin zu einer multikulturellen und multiätiologischen. Diese Veränderungen und Herausforderungen haben Einfluss auf den einzelnen Menschen, und vor allem auf die individuelle Gesundheit. Diese Erfahrungen und Überlegungen führten zu der Erkenntnis, den Menschen nicht nur als isoliertes Einzelwesen zu begreifen, sondern auch seine Beziehung zu den Mitmenschen und seine transkulturelle Situation zu berücksichtigen, weil diese ihn zu dem machen, was er ist.
Workshop II
Praktische Anwendung der Positiven Psychotherapie mit 10 Techniken
Eigene Erfahrungen sind teuer, fremde Erfahrungen sind kostbar.
Der transkulturelle Ansatz durchzieht wie ein roter Faden die gesamte Positive Psychotherapie. Wir berücksichtigen ihn deshalb gesondert, weil der transkulturelle Gesichtspunkt auch Material zum, Verständnis individueller Konflikte bietet. Darüber hinaus besitzt dieser Aspekt eine außerordentliche soziale Bedeutung: Gastarbeiterprobleme, Probleme der Entwicklungshilfe, Schwierigkeiten, die sich im Umgang mit Mitgliedern anderer kultureller Systeme ergeben, Probleme transkultureller Ehen, Vorurteile und ihre Bewältigung, Alternativmodelle, die einem anderen kulturellen Rahmen entstammen. In diesem Zusammenhang können auch politische Themen angesprochen werden, die sich aus der transkulturellen Situation ergeben.
Dr. Anas Aziz
In Vertretung von Prof. Dr. Nossrat Peseschkian
Leider kann Nossrat Peseschkian aus Gesundheitsgründen nicht teilnehmen, er schreibt dazu: Ich danke Ihnen für Ihr Verständnis und bedaure diese unerwartete Situation sehr, nach dem Motto: „Es ist nicht schlimm, wenn man hinfällt, sondern wenn man liegen bleibt“.
Nossrat Peseschkian musste sich letzte Woche akut einer Augenoperation unterziehen und wurde an der Netzhaut genäht. Obwohl er vorerst davon ausging, dass die Teilnahme an 'Grenzen-Systeme-Kulturen' für ihn möglich ist, hat er jetzt von seinen Ärzten der Uniklinik Mainz ein klares Verbot erhalten zu fliegen. Es tut ihm und uns natürlich sehr leid, dass er nun nicht dabei sein kann.
Es freut uns aber umso mehr, dass Nossart Peseschkian umgehend seinen langjährigen Kollegen Anas Aziz gewinnen konnte ihn zu vertreten. Er schreibt dazu: "Ich freue mich, Ihnen nun einen unserer besten Dozenten und Mitarbeiter, Herrn Dr. med. Anas Aziz, als Vertreter vorzustellen. Er arbeitet seit 18 Jahren mit uns in der Internationalen Akademie für Positive und Transkulturelle Psychotherapie. Er ist Facharzt und Psychotherapeut und hat sehr viele Erfahrungen mit Seminaren im transkulturellen Bereich. Ich verspreche Ihnen, dass er die Teilnehmer begeistern kann." Die beiden haben zusammen das Buch 'Lexikon der positiven Psychotherapie' verfasst. Anas Aziz wird das 'Nossrat Peseschkian-Programm' vollumfänglich übernehmen.
Geboren 1943 in Mosul, Irak
Aufgewachsen und Abitur in Mosul
Seit 1963 in Deutschland
Medizinstudium in Würzburg
Promotion im Fach Pathologie am DKFZ in Heidelberg
FA-Weiterbildung in Frauenheilkunde in Bayern und Aachen
Seit 1980 Niederlassung in eigener Praxis
Seit 1981 Weiterbildung bei seinem wichtigsten Lehrer in Psychotherapie Prof. Nossrat Peseschkian
1986 Anerkennung für Psychotherapie, Balintgruppenleiter
Seitdem Weiterbildung, später Dozententätigkeit an der WIAP für Psychosomatik, Psychotherapie und Familientherapie
Praxis-Schwerpunkte: Psychotherapie, Sexualtherapie, Schwangerschaftskonfliktberatung
Seit 1989 Gemeinschaftspraxis mit Ehefrau Dr. Zenah Bachour-Aziz, Frauenärztin
Vater von 2 erwachsenen Kindern
Internationale Akademie für positive und transkulturelle Psychotherapie
Peseschkian Stiftung
Langgasse 38 - 40
65183 Wiesbaden
Telefon: 0611 / 34 11 675
Sekretariat: 0611 / 34 11 674
Fax : 0611 / 34 11 676
E-Mail: peseschkian.foundation@positivepsychotherapy.org
www.peseschkian-stiftung.de
