Prof. Dr. Jürgen Kriz



Am 12. Februar 2010 verabschiedete die Universität Osnabrück Professor Dr. Jürgen Kriz in einer feierlichen Veranstaltung in den Ruhestand. In der Pressemitteilung der Universität Osnabrück heißt es zur Emeritierung des renommierten Wissenschaftlers: „Seine Forschungsinteressen sind sehr weit gespannt. So hat der Psychologe Prof. Dr. Jürgen Kriz von der Universität Osnabrück Bücher über die verschiedenen Psychotherapierichtungen veröffentlicht. Er ist Therapeut und Ausbilder in Gesprächpsychotherapie (GwG) sowie Ehrenmitglied der "Systemischen Gesellschaft" (SG) und der "Internationalen Gesellschaft für Logotherapie und Existenzanalyse" (GLE).
In den letzten Jahren hat er sich vor allem mit der Frage beschäftigt, wie wir unsere hoch komplexe Welt ordnen. Solche Ordnungsprozesse dienen sowohl auf individueller als auch auf sozialer Ebene der Orientierung. Hier begegnen uns die Ordnungen als wissenschaftliche Theorien oder als Alltagserklärungen. Diese Prozesse können aber auch leidvoll, »pathologisch«, werden. Sie sind dann Gegenstand von abweichendem Verhalten, Psychopathologie und Therapie.“
Er ist Begründer der "Personzentrierten Systemtheorie" - einer Verbindung humanistischer und systemischer Psychotherapie mit interdisziplinärer Systemtheorie.


Prof. Dr. Jürgen Kriz - CV
Geb. 5.12.1944 (in Ehrhorn / Soltau, BRD)

Studium Psychologie, Sozialpädagogik und Philosophie, Universität Hamburg (1964-65) und in Wien, dort mit dem 2. Hauptfachschwerpunkt: Astronomie/ Astrophysik (1965-68)
Jan.1969 Promotion zum Dr. phil., Dissertation über Entscheidungstheorie
Hauptrigorosum in Psychologie, Pädagogik und Philosophie: Rigorosum in Allg. Astronomie und Astrophysik
1968-1970 Forschungs-Assistent am "Institut für höhere Studien und wissenschaftliche Forschung" (Institute for Advanced Studies) Wien, Abt. Rechenzentrum.
Mitarbeit an und Supervision von Forschungsprojekten in den Abteilungen Soziologie und Politologie (u.a. mit James Coleman, Paul Lazarsfeld, Oskar Morgenstern, Anatol Rappaport, Aaron V. Cicourel)
1970-1972 Wiss. Oberrat am "Seminar für Sozialwissenschaften" der Universität Hamburg, Fächerschwerpunkt Empirie, Statistik, elektronische Datenverarbeitung
1972-74 im Alter von 27 Jahren Berufung zum Professor für Statistik an der "Fakultät für Soziologie", Universität Bielefeld
1974-99 Professor für "Empirische Sozialforschung und Statistik und ihre wissenschaftstheoretischen Grundlagen" im Fachbereich Sozialwissenschaften,
Universität Osnabrück Seit 1980 Klinische Psychologie/Interventionsmethoden

Publikationen
20 Bücher (insges. weit über 100.000 Expl.) und rund 250 wiss. Beiträge.

 


Vortrag:
Personzentrierte Systemtheorie im Kontext von „Grenzen-Systeme-Kulturen“
Es wird eine Einführung in die Personzentrierte Systemtheorie gegeben – ein Ansatz, der die unterschiedlichen Prozessebenen in Psychotherapie, Beratung und Coaching in ihren Interaktionen zu berücksichtigen vermag. Grundsätzlich geht es um das Zusammenspiel somatischer, psychischer, mikrosozialer (i.W. Familie) und makrosozialer (i.W. Kultur) Aspekte, welche die „Weise, wie wir in der Welt sind“ bestimmen.
Im Vortrag werden besonders Aspekte ins Zentrum gerückt, die für diesen Workshop-Kongress von Bedeutung sind - nämlich die Notwendigkeit von Krisen (aber auch von stabilen Phasen) für Entwicklungen, sowie die Bedeutung der Prozessebene „Kultur“ für problematisch-leidvolle wie für hilfreich-heilende Narrationen und Metaphern.

Workshop 1
Zentrale Prozessebenen der Personzentrierten Systemtheorie: Das Zusammenspiel somatischer, psychischer, familiarer und kultureller Aspekte
Aufbauend auf dem überblicksartigen Vortrag zur Personzentrierten Systemtheorie werden in diesem Workshop einige Konzepte und ihre praktische Bedeutsamkeit je nach Vorkenntnissen und Interessen der TeilnehmerInnen vertieft und miteinander diskutiert. Insbesondere das Verständnis für dynamische Stabilität – die Basis sowohl für Sicherheit als auch für erlebte Stagnation ist – als auch für angemessene und hilfreiche Destabilisierung – als Basis für eine an neue Bedingungen adaptive (Er-)lebensstruktur – soll erhöht werden. Die analytische Sensibilität für das Wechselspiel von dynamischer Stabilität und Instabilität (man könnte auch von „Chaos“ „Ordnung“ sprechen) unterstützt nämlich die Fähigkeit, angemessene kognitive Umgebungsbedingungen (oder: „Kontexte“) für kreative Veränderungen zu ko-konstruieren.

Workshop 2
Systemische Arbeit mit Einzelnen
Systemische Arbeit in Therapie, Beratung und Coaching hat sich historisch vor allem im Rahmen von Familien und dann kleinen Organisationseinheiten als recht erfolgreiche Praxeologie etabliert. Noch in den späten 70er Jahren wurde z.B. vom Mailänder Team die fast vollständige Familie wie nach Hause geschickt, wenn der im Haus lebende Großvater nicht mitgekommen war. Inzwischen ist klar, dass „Familie“ (und andere Systeme) nicht so sehr „biologische Einheiten im physischen Raum“ meint, sondern bestimmte kognitive und interaktive Sinnstrukturen. In diesem Workshop soll daher die – oft vernachlässigte – systemische Arbeit mit Einzelnen im Zentrum stehen, wobei je nach Vorkenntnissen und Interessen der TeilnehmerInnen dies dann auch in praktischer Arbeit gezeigt werden kann (z.B. Auftragskarussell, Genogramm-Arbeit, Reflecting Dialog etc.).



Gast-Professuren:
1977 Gastprofessor am Institute for Advanced Studies, Wien, Abt. Soziologie
1992-1993 einjährige Gastprofessur an der Universität Wien
1994-1995 Lehrauftrag an der Universität Wien in Systemtheorie am Institut für Psychologie sowie Institut für Wissenschaftstheorie
Seit 1998 Sommer-Unterricht an der der EGS (European Graduate School) in SaasFee, u.a. in Forschungsmethoden im Postgraduierten-Programm („Senior
Advisor“ im PhD-Programm)
2002 Gastprofessor Appalachian State Univ. (Boone/ NC)
2002/2003 Lehrauftrag an der ETH und Universität Zürich (Systemtheorie und Psychologie)
2003 „Paul-Lazarsfeld-Gastprofessur“ der Universität Wien
SS 2004-2008 Lehrauftrag Uni Wien, Psychologie, Methodenseminare für Doktoranden / Systemtheorie für Doktoranden
2009 Erasmus-Prof. Univ. Riga/ Lettland
1994-1996 Leitung eines internationalen Expertenkomitees "Wissen und Handeln" im Rahmen der "Wiener Internationalen Zukunftskonferenz (WIZK)"
1998 Forschungssemester: Vorträge an verschiedenen Hochschulen in USA und Canada
Gutachter für Stiftungen Warentest, VW -Stiftung, "Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung" Österreich, für den Schweizer Nationalfond
Ständige Mitwirkung in zahlreichen Universitätsgremien, teils leitend, z.B. 1977-1980 Vorsitzender des Vorstandes des Regionalen Hochschulrechenzentrums Oldenburg/Osnabrück
1982-1983 und 1994-1995 Dekan des Fachzbereichs Psychologie
2003-2004 Vorsitzender der Fachkommission Psychologie

Auszeichnungen (u. a):
2001 Ehrenmitglied der Deutschen Systemischen Ges. (Berlin)
2002 Transfer-Preis der Universität Osnabrück
2004 Ehrenmitgliedschaft der GLE international (Ges.f. Logotherapie und
Existenzanalyse)
2005 Viktor-Frankl-Preis der Stadt Wien

Herausgeber
Ab 1994 (Mit)Herausgeber von "Gestalt Theory" (Westdt.Verlag/Krammer )
1986-2000 (Mit)-Mitherausgeber von "System Familie" (Springer)
1988-94 Mitherausgeber der Buchreihe zur Familientherapie (Asanger)
1988-94 Mitherausgeber der Buchreihe "Forschung Psychologie" (Asanger)
Seit 2001 Mitherausgeber der Buchreihe „Familienpsychologie, Familientherapie, Systemische Therapie“
2003 - Co-Editor von „Psychotherapie: Ansätze und Akzente“ WUV/UTB
2008 - Herausgeber der Reihe „Basiswissen Psychologie“ VS Verlag

Mitglied in den wissenschaftlichen Beiräten von
„Psychotherapeut“ (Springer)
„Integrative Psychotherapie“ (Junfermann)
„Existenzanalyse“ (Wien)
„Person-Centered and Experiential Psychotherapy““PERSON”
“Familiendynamik” (Klett)

© Copyright - psyseminare / Schweiz